Rainer Maria Rilke und die Geschwister Mathilde und Karl kannten sich seit jenen Novembertagen 1897, als sie sich im Umfeld des Georgekreises, Sabine Lepsius beschreibt dies ausführlich in ihren Memoiren, in Berlin kennengelernt hatten. Damals war Rilke einige Zeit regelmäßig, in Begleitung der ehemaligen Nietzsche- und aktuellen Freudfreundin Lou Andreas-Salome, in den Künstler- und Literatenkreisen Berlins aufgetaucht, bevor er Paris zu seinem bevorzugten Lieblingsarbeitsplatz erkor. Beide hatten sich erst einige Monate zuvor in München kennen gelernt. Die weit gereiste Intellektuelle und Gelegenheitsliterarin Lou Andreas-Salomé (1861-1937) und der junge Dichter verliebten sich heftig ineinander. Die anschliessende, intensive Beziehung mit der 14 Jahre älteren und verheirateten Lou dauerte bis 1900. Nach ihrer Trennung blieb Lou Andreas-Salomé bis an Rilkes Lebensende seine vielleicht wichtigste Freundin und Lebensberaterin. Sigmund Freud beschrieb anlässlich des Todes von Lou Andreas-Salomés 1937 das Verhältnis der Beiden so: "... wurde bekannt, dass sie dem großen, im Leben ziemlich hilflosen Dichter Rainer Maria Rilke zugleich Muse und sorgsame Mutter gewesen war..." Rilke war nicht nur von der bildschönen, geistreichen und intelligenten Mathilde begeistert, er fraß auch spontan einen großen Narren an ihrem Bruder Karl Vollmoeller. Es muß zwischen beiden, besonders seitens Rilkes bei diesem ersten Treffen 1897 emotional ziemlich tief zwischen ihnen gefunkt haben, denn Rilke hält zu Karl Vollmoeller, teilweise durch Vermittlung Mathildes, bis zu seinem Tod Kontakt und sucht bei vielen Gelegenheiten immer wieder die persönliche Begegnung und das ihn offenbar bereichernde Gespräch mit Vollmoeller. Es scheint eine „Brüder im Geiste“ Beziehungen gewesen zu sein, ähnlich der, die Vollmoeller mit Max Reinhardt verband. Rilke, der sich stets stärker zu Frauen hingezogen fühlte, die ihn immer auch bemutternd umsorgten, entwickelte in Bezug auf Vollmoeller, anders als das Einzelkind Hofmannsthal, eine fast brüderliche Zuneigung. Diese wird in seinen, stets in freundlichem Ton gehaltenen, manchmal fast begeisternd klingenden Notizen in seinem Briefwechsel, über seine Begegnungen mit Karl Vollmoeller deutlich. Auch sucht Rilke immer wieder von sich aus die Nähe zu Vollmoeller, so in Sorrent, in Florenz, in Paris und Berlin. Während des ersten Weltkriegs bittet Rilke, wie unveröffent- lichte Briefe im Nachlass Vollmoellers belegen, diesen um Unterstützung bei der Suche nach einem Freund, und stets ist er bestrebt, Vollmoeller seine neueste Freundin persönlich vorzustellen, so als wäre ihm am Urteil des ‚geistigen Bruders’ sehr gelegen. Rilkes spontane Begeisterung für die beiden Vollmoellers scheint seinen Wunsch, Mitglied des Kreises um George zu werden beflügelt zu haben, den nur Tage nach der Lesung im November tritt Rilke Anfang Dezember 1897 schriftlich an George mit der Bitte heran: „Dem engeren, von den Mitgliedern erkorenen Leserkreis der ‘Blätter für die Kunst’ angehören zu dürfen — der große Eindruck, welchen Ihr Leseabend im Salon Lepsius auf mich gemacht hat, lässt den Wunsch nicht zur Ruhe gehen, alles, was Ihrer Kunst gehört, mit getreuem Interesse zu verfolgen. Ich werde mir ‘Das Jahr der Seele’ verschaffen ...“ Doch trotz seiner unterwürfigen Bitte findet Rilke vor Georges gestrengem Auge keine Gnade. George lehnt ihn persönlich ab und Rilke wird nie in den ‚Kreis’ aufgenommen, im Gegensatz zu Karl Vollmoeller. So stellte Vollmoeller über viele Jahre für Rilke den Verbindungsmann zu einigen, auch ehemaligen, Mitgliedern des Kreises dar. Weiterlesen Abb. anklicken |