Literatur und Film: vom Buch zur Leinwand in den zwanziger Jahren
Literatur und deutscher Film teilten in den zwanziger Jahren Themen, Ausdrucksformen und Milieus. Doch wie kam ein Buch auf die Leinwand, und was übernahm das Kino aus der Welt der Worte? Einige Beispiele aus der Literatur- und Filmgeschichte zeigen, wie sich die beiden Künste begegneten und aufeinander bezogen.

Das deutsche Kino der zwanziger Jahre: was es auszeichnete
Das Kino jener Jahre war stumm. Zwischentitel ersetzten die Dialoge, während Bilder, Licht und Schauspiel den größten Teil der Handlung vermitteln mussten. Das Publikum sah Filme deshalb anders als heute. Die Filmemacher wiederum standen vor der Aufgabe, ohne gesprochene Worte Atmosphäre zu schaffen.
Als Ikone dieser Zeit gilt „Das Cabinet des Dr. Caligari" von 1920 unter der Regie von Robert Wiene. Der Film zählt zu den wichtigsten Beispielen des Expressionismus im Kino. Er zeigt, dass der deutsche Film schon zu Beginn des Jahrzehnts nach einer eigenen Bildsprache suchte.
Das Zentrum der Filmproduktion war damals das UFA-Gelände in Potsdam-Babelsberg. Wer sich mit der Filmgeschichte jener Jahre beschäftigt, stößt immer wieder auf diesen Ort, mit dem viele bekannte Titel verbunden sind.
Literaturverfilmung: wie ein Roman zum Film wurde
Eine Literaturverfilmung überträgt ein literarisches Werk auf die Leinwand. Im Stummfilm bedeutete das auch, Zwischentitel anstelle gesprochener Dialoge einzusetzen. Anders als beim Schreiben musste die Geschichte nun in Bildern erzählt werden. Ein Beispiel für den Weg vom Buch zum Film ist Heinrich Manns Roman „Professor Unrat" von 1905, der als Vorlage für „Der blaue Engel" von 1930 diente.
Der Film von 1930 liegt zwar bereits außerhalb der zwanziger Jahre. Er veranschaulicht aber, wie das Kino auf Romane zurückgriff, die lange zuvor erschienen waren. Die Literatur bot einen reichen Fundus an Geschichten, aus dem Filmschaffende gern schöpften.
Auch Theaterschauspieler fanden den Weg zum Film und standen vor der Kamera. Dieser Wechsel von der Bühne auf die Leinwand zeigt ebenfalls, wie eng die Milieus von Literatur, Theater und Film in diesen Jahren miteinander verbunden waren.
Großstadt, Montage, Collage: was Buch und Film teilten
Ein gemeinsames Thema von Literatur und Film war die Großstadt. Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz" von 1929 erzählt von der Metropole. Er ist als Montage aufgebaut, setzt sich also aus nebeneinandergestellten Fragmenten zusammen.
Diese Form erinnert an den Film, für den die Montage ein grundlegendes Gestaltungsmittel ist. Mit Montage und Collage prägten beide Künste das Bild der Stadt in dieser Epoche. Leser und Zuschauer begegneten dabei ähnlichen Verfahren: Gegenüberstellungen und wechselnden Szenen. Literatur und Film standen somit nicht nur durch Verfilmungen miteinander im Austausch, sondern auch durch ihre Ausdrucksformen.
Fazit
Gemeinsame Themen, verwandte Techniken und eng verflochtene Milieus prägten die Entwicklung von Buch und Film in den zwanziger Jahren. Diese Nähe macht verständlich, weshalb der Weg vom literarischen Werk zur Verfilmung damals so nahelag. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, kann mit „Das Cabinet des Dr. Caligari" beginnen, anschließend „Berlin Alexanderplatz" lesen und vergleichen, wie beide Werke von ihrer Zeit erzählen.