Zuschauerraum eines historischen Theaters mit Rängen und Kronleuchter, als Holzschnitt gezeichnet

Wer prägte diese Entwicklung? Der Beitrag widmet sich drei Namen: Reinhardt, Piscator und Brecht. Er zeichnet die Veränderungen von Reinhardts Inszenierungen über Piscators Theater bis zur Uraufführung eines Stücks von Brecht nach.

Max Reinhardt und das Theater der großen Räume

Max Reinhardt (1873 bis 1943) war Regisseur und Theaterleiter. Seine Arbeit zeigt, wie sich die Regie im deutschen Theater des frühen 20. Jahrhunderts vom klassischen Zuschauerraum löste. Reinhardt nutzte große Räume, darunter auch den Zirkus, und setzte bewegliches Licht ein.

Damit verlagerte sich der Schwerpunkt vom Text allein auf das Erlebnis der gesamten Aufführung. Ein gutes Beispiel ist Hugo von Hofmannsthals „Jedermann", 1911 in Berlin gespielt. Das Stück überdauerte seine Entstehungszeit: Die Salzburger Festspiele, 1920 gegründet, zeigen den „Jedermann" bis heute. Derselbe Titel verbindet somit die Berliner Theatergeschichte von 1911 mit dem Programm eines Festivals, das neun Jahre später entstand.

Drehbühne und Licht: neue Werkzeuge der Regie

Diese neue Sicht auf die Aufführung war eng mit technischen Entwicklungen verbunden. Drehbühne und moderne Beleuchtung eröffneten zusätzliche Möglichkeiten für die Inszenierung. Neben Schauspielern und Text wurde der Bühnenraum zu einem gleichrangigen Element der Erzählung.

Der Raum war damit nicht länger bloßer Hintergrund. Wo eine Handlung spielte und wie sie ausgeleuchtet wurde, gehörte nun zu den gestalterischen Fragen der Regie. Raum und Licht ließen sich gezielt aufeinander abstimmen, statt sie lediglich einer fertigen Dekoration anzupassen.

Piscators Theater und die Filmprojektion

In den zwanziger Jahren rückte Erwin Piscator in den Mittelpunkt. Er machte politisches Theater, zu dessen Kennzeichen Filmprojektionen auf der Bühne gehörten. Diese dienten nicht als Dekoration: Piscator bezog Ereignisse außerhalb der dargestellten Handlung ein und stellte das Schicksal der Figuren so in einen größeren Zusammenhang.

Während Reinhardt den Theaterraum erweiterte, ergänzte Piscator ihn um ein neues Medium und verfolgte damit neue Ziele. Der Bühnenraum wurde zu einem Ort, an dem Schauspieler, Bild und politischer Kommentar aufeinandertrafen. Piscator schlug damit eine andere Richtung ein als Reinhardt. Beide verband jedoch die Überzeugung, dass die Möglichkeiten der Bühne über Schauspiel und Kulisse hinausgingen.

Brecht und die Uraufführung in München

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf Bertolt Brecht. Sein Stück „Trommeln in der Nacht" wurde 1922 in München uraufgeführt, im selben Jahrzehnt, in dem Piscator das politische Theater weiterentwickelte. Das zeigt, dass die Regie im deutschen Theater der zwanziger Jahre an mehreren Orten zugleich neue Wege ging. Wer nur auf Berlin blickt, erfasst die Theatergeschichte dieser Zeit daher nicht vollständig.

Was folgt daraus?

Von Reinhardt bis Piscator bezog die Regie im deutschen Theater den Raum immer stärker in die Gestaltung ein. Zirkus, Licht, Drehbühne und Projektion stehen für die unterschiedlichen Möglichkeiten, die sie dabei nutzte. Die bewusste Gestaltung des Bühnenraums verbindet diese sehr verschiedenen künstlerischen Wege.

Wer sich für das Thema interessiert, kann den „Jedermann" bei den Salzburger Festspielen, die 1920 gegründet wurden, bis heute erleben. Weitere Beiträge widmen sich Künstlern, die das Denken über die Bühne verändert haben.